Auf dem Weg nach Digitalien

Auf der Rückfahrt vom Deutschen Anwaltstag zu „Innovationen und LegalTech“ frage ich mich, wo ich mich nun, im Anschluss an diese so mit Informationen vollgepackten Tage sehe, auf meinem Weg nach Digitalien.

Kuriose Erwartungen

Ich muss mir zunächst eingestehen, was ich mir von den Tagen in Essen erhofft hatte:

  • Ich wünschte mir einen klareren Blick darauf, was mich in den nächsten 20 Jahren Berufstätigkeit erwartet;
  • Am liebsten wäre mir ein Plan, auf dem ich mir im gelobten Land den Ort suchen könnte, an dem Milch und Honig für mich fließen, zu dem ich dann nur noch hinmarschieren muss – natürlich auf einem bequemen bereits gebahnten Weg.

Seufz. Natürlich läuft das nicht so. Nicht mal den Zipfel einer richtigen Straßenkarte habe ich auf dem DAT2017 erhascht.

Worauf ich mich also momentan zurückgeworfen sehe:

  • Ausrüsten zur Expedition und dann: den Weg Schritt für Schritt ertasten, ganz ohne vorgefertigten Plan, geschweige denn auf fertigen Wegen.
  • Aber mit dem Kompass: Der Nordpol ist der Mandant, auf ihn läuft alles hinaus.

Ein weiteres Fazit, das bei vielen Rednern mehr oder weniger deutlich durchschimmerte:

Die Nicht-Anwälte sind schon längst unterwegs. Das ist aber kein Grund, jetzt nicht mehr loszulaufen. Noch können wir mitentscheiden, wo und wie die neuen Städte in Digitalien gebaut werden.

Und – viele hoffen und warten darauf, dass wir uns bewegen und deutliche Zeichen setzen:

  • Sascha Lobo (Vortrag DAT): 
  • Marc A. Cohen (Vortrag DAT): „Die wichtigste Aufgabe des Anwalts ist die Verteidigung der ‚Rule of Law'“ (also Herrschaft des Rechts, nicht von BigData, Big Brother, des Profits oder des Egoismus)
  • David Frølich (Vortrag DAT): „Tech ist das Auto – und Law ist die Bremse, nicht zum Stoppen, nur als Sicherheitseinrichtung!“
  • Nico Kuhlmann (@NicoKuhlmann): „We should not ask what #legaltech and #AI can do for lawyers, we should ask what it can do to improve the access to justice for people.“

Wir sind also mit dafür verantwortlich, dass der Weg nach Digitalien nicht dem Großen Trail in den Wilden Westen gleicht, in dem zunächst nur das Recht des Stärkeren galt.

Diesmal gilt es wohl schon als ausgemacht, dass die Digital Natives bessere Chancen haben als die später Ankommenden.

Trotzdem gibt es auch für diese Hoffnung: z. B. testet gerade eine Passauer Kanzlei, ob sie mit einem Chatbot Flugentschädigungsfälle zurückerobern kann. Da nutzt also eine Kanzlei mit ihren Mitteln einen Markt, den die LegalTechs überhaupt erst eröffnet haben (vor flightright & Co wurden nur 1% der Entschädigungsansprüche überhaupt geltend gemacht) – und spricht damit einen leicht anderen Kundenkreis an. Das nenne ich einen Trampelpfad nutzen, den ein anderer gebahnt hat. Chance erkannt und genutzt – So geht das also.

Im Leben geht es nicht darum zu warten, dass das Unwetter vorbeizieht, sondern zu lernen, im Regen zu tanzen.    (Hilary Hinton „Zig“ Ziglar)

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